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Wer aus dem protestantischen Pfarrhaus kam und christlich erzogen wurde, erlebte Konfrontationen mit der sozialistischen Volksbildung unausweichlich von früher Jugend an. Nicht erst beim Absingen der 3. Strophe der „Internationale“ („Es rettet uns kein höh’res Wesen, kein Gott, ...“) oder dem öffentlichen Vortragen der Fluchstrophe aus Heines Gedicht „Die schlesischen Weber“ (7. und 8. Klasse) wurden Konflikte mit der kirchenfeindlichen Volksbildung akut, falls das Pioniermanöver „Schneeflocke“ eventuell noch ohne Blessuren oder gar nicht passiert wurde. Spätestens die Teilnahme oder Nichtteilnahme am Wehrkundeunterricht (9./10. Klasse), nachdem die staatliche Jugendweihe in der 8. Klasse abgelehnt wurde, oder das Nicht-/Eintreten in den sozialistischen Jugendverband FDJ stellte Pfarrerskinder vor Entscheidungen, die nicht ohne den Blick auf weitere Bildungsziele im staatlichen System getroffen werden konnten. Pfarrerskinder hatten in der Regel ein stärkeres Hinterland als andere Christenkinder, stärkere Verbündete, wenn sie diesen Auseinandersetzungen mit der Diktatur entgegengingen (einschließlich der bisweilen zahlreichen Geschwisterkinder). Aber sie waren auch die ersten, von denen eine Erklärung verlangt wurde, wenn nach Ansicht der Geschichtslehrerin und ihrem Lehrplan beispielsweise „der Fürstenknecht Luther“ die Bauern verraten hatte. Die Herkunft aus dem protestantischen Pfarrhaus bescherte ihren Kindern vor allem aber auch unschätzbare Vorteile: eine relative Weite an Bildung, offenere Diskussionen, Westkontakte und ein reichhaltigeres Literaturangebot im Vergleich zur Schulbibliothek. Die lange Tradition des Pfarrhauses als Kultur- und Bildungsort reichte auch in die DDR hinein. Pfarrerskinder lernten Flöte und Klavier spielen und genossen die Gemeinschaft in Posaunenchören, während sie in der sozialistischen Wahrnehmung als „gesellschaftlich nicht aktiv“ galten, weil sie Pioniernachmittage versäumten. Im Kindergottesdienst und in der Christenlehre, oft von ihren Müttern erteilt, hörten sie darüber hinaus von Jesus, der die Kinder liebt und den Tod überwand, und Gott dem Allmächtigen, der so gar keinen Platz in der Hierarchie der in der DDR Mächtigen hatte. Im Spannungsfeld zwischen Angst und Freiräumen, dem Wunsch nach Geradlinigkeit und auch der Angst vor Überforderung als Kind, dem Misstrauen gegen alles Staatliche und dem Fortkommenwollen im Leben, das innerhalb der Diktatur stattfand, bewegten sich Pfarrerskinder auf ganz verschiedene Weise und mit unterschiedlichen Ergebnissen. Überproportional viele fanden sich in der DDR-Opposition wieder, z.T. opponierten sie auch gegen die Eltern, die vielfach bereits 1953 mit der Diktatur Erfahrungen gesammelt hatten und sich in der Kirche innerhalb der DDR eingerichtet hatten. Etliche beschritten kirchliche Ausbildungswege, andere wurden Facharbeiter, wieder andere reisten aus. In den späteren DDR-Jahren durften Pfarrerskinder dann auch manchmal studieren, vorausgesetzt sie waren wenigstens ein bisschen „gesellschaftlich aktiv“ (FDJ, DSF o.ä.), bestanden nicht auf besonderen Studienwünschen und waren nicht frontaloppositionell oder schrill.
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