Auszüge aus dem Wahlprogrammen
demokratischer Parteien zum Thema
Verfolgte des Kommunismus und Wiedergutmachung
SPD
8. Der Osten - ein starkes Stück Deutschland
Demokratie und Freiheit
Die Menschen in der DDR haben sich 1989 mit der friedlichen Revolution Demokratie und Freiheit selbst
erkämpft. Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten waren Teil der ostdeutschen Bürgerrechts- und
Demokratiebewegung. Mit allen, die damals beteiligt waren, sind wir stolz auf dieses Kapitel deutscher
Geschichte.
Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen sind ein starkes
Stück Deutschland. Das hat sich auch in den Jahren seit 1989 erwiesen. Es waren vor allem die Menschen
in den Ländern und Regionen selbst, die nach der Revolution auch den Aufbau in ihre Hände nahmen, die
die Chancen zur Erneuerung ergriffen.
Die Politik der Kohl-Regierung hat in der frühen Phase des Aufbaus durch falsche Regelungen in der
Eigentumsfrage, durch allzu kurzatmige Förderung des Baubereiches und damit verbunden auch durch
Begünstigung der Spekulation Weichen falsch gestellt.
Es ist das Verdienst der Regierung Schröder, die Prioritäten neu geordnet, die Investitionen erhöht,
Wachstumskerne entwickelt, die Regionen in ihrer eigenen Kraft gestärkt und die Realitäten ehrlich
benannt zu haben. Der Solidarpakt II ist ein klares Signal für die Solidarität und Identifikation des ganzen
Landes und gibt Sicherheit bis 2019.
Die Stärke Ostdeutschlands ist auch Voraussetzung für den Wohlstand in ganz Deutschland, für eine
starke Wirtschaft, starke Regionen und gute Lebensperspektiven für den Einzelnen...
Die Hälfte des Weges ist zurückgelegt
Wir wissen, dass erst die Hälfte des Weges in Ostdeutschland zurückgelegt ist. In einer Reihe von
Bereichen brauchen wir zusätzliche Anstrengungen, um den notwendigen Nachholbedarf in den nächsten
Jahren zu fördern. Wir gehen entschlossen und mutig in den zweiten Teil der Strecke.
Mit Gerhard Schröder als Bundeskanzler und seiner Regierung hat der Aufbau Ost neue Impulse
bekommen und die Deutsche Einheit festere Konturen. Diesen Weg wollen wir weitergehen und dabei die
Interessen der Menschen mit Nachdruck vertreten. Der Beschluss des Ost-Parteitags der SPD ist dabei
Leitlinie für diesen Teil des Regierungsprogramms 2002-2006.
© 2002 SPD
GRÜNE
Wir sind eine antitotalitäre und demokratische Partei, die sich gegen jede Form von Gewaltherrschaft
wendet. Die Verselbständigung des Staates gegen die Menschen, die staatlich organisierte Verletzung von
Menschenwürde und Menschenrechten prägt die dunkle Seite der Geschichte Deutschlands. Das Leid der
Opfer des Naziterrors können wir nicht wieder gutmachen. Aber wir halten die Erinnerung wach und sie hält
uns wach. Wir wollen durch unser Handeln heute dafür einstehen, dass solches Leid nie wieder Menschen
zugefügt wird. Deshalb engagieren wir uns gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus.
Zivilcourage ist und bleibt dabei gefragt. Auch die SED-Diktatur in der DDR hat viele Opfer gekostet und
viele Wunden zugefügt. Die Mutigen, die sich gegen Anpassung gewehrt haben, die Oppositionellen mit
ihrem Widerstandsgeist und die Bürgerrechtsbewegung des Herbstes 1989 sind uns Vorbild für unser
heutiges Engagement. Eintreten für Menschenrechte ist deshalb auch unverzichtbarer Bestandteil unserer
Innenpolitik.
CDU
Im Osten was Neues
Friedliche Revolution der Ostdeutschen von 1989 als fester Bestandteil unserer Erinnerungskultur
Deutschland muss mit der Errichtung eines Freiheits- und Einheitsdenkmals in Berlin dieses Ereignis
würdigen. Der 50. Jahrestag des Arbeiteraufstandes am 17. Juni 2003 muss als nationaler Gedenktag
würdig begangen werden.
Die Opfer der SED-Diktatur müssen auf der Basis des Antrages der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für eine
Ehrenpension angemessen entschädigt werden. Damit wird deren Einsatz für Freiheit, Demokratie und
Menschenrechte gewürdigt.
Für die ca. 50.000 Ostdeutschen, die als Heimkehrer oder ehemalige Zivildeportierte im Gegensatz zu den
Westdeutschen keine Entschädigung erhalten hatten, muss Gerechtigkeit hergestellt werden.
Zur Förderung der inneren Einheit sollte die Politik alle Aktivitäten und Initiativen unterstützen, damit die
Menschen aus den alten und neuen Ländern sich begegnen und näher kommen.
FDP
VI. Innere Einheit
Die Vollendung der inneren Einheit Deutschlands ist leider immer noch nicht abgeschlossen. Zwar hat die
FDP für die Bundesrepublik Deutschland viele wichtige Schritte auf dem Weg zur Bewältigung der
materiellen und immateriellen Folgen der SED-Diktatur erreicht. Dennoch wird es auch in den nächsten
Jahren noch notwendig sein, die Geschichte der DDR, als Teil der deutschen Geschichte weiter
aufzuarbeiten.
Dies zeigen nicht nur die Fragen im Umgang mit dem Stasi-Unterlagen-Gesetz, bei dem es weder ein
Recht auf Ausspionierung der Privatsphäre von Opfern des SED-Unrechtsregimes noch einen Unterschied
in der Behandlung von Bürgern Ost und Bürgern West geben darf. Die Liberalen, als erste gesamtdeutsche
Partei, halten daran fest, dass die deutsche Teilung weder vergessen werden noch verdrängt werden darf.
Sie setzen sich daher auch weiterhin dafür ein, dass dort, wo noch Lücken bei der Wiedergutmachung
kommunistischen Unrechts bestehen, den Opfern die ihnen zustehende Hilfe gewährt wird.
Gleichzeitig wird sich die FDP aber auch dafür einsetzen, dass endlich den im Einigungsvertrag vom
31.08.1990 bekundeten Zielvorstellungen zur Wiederherstellung von privatem Eigentum an bebauten
Grundstücken und Gebäuden Genüge getan wird. Dieses gilt sowohl für Fälle, bei denen zu DDR-Zeiten
wegen staatlicherseits verursachter Überschuldung Privateigentum aufgegeben werden musste als auch für
Fälle, in denen Widerstandskämpfer gegen das Hitlerregime entschädigungslos enteignet wurden.
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